Freitag, 22. Juni 2012

Die Eindrücke einer Französin über die Schroth-Sammlung INFORMATION im Kloster Wedinghausen


Direkt aus Paris kommend, der mit zahlreichen Museen ausgestatteten Hauptstadt, wurde ich, Marjorie, neunzehn-jährige französische Studentin, und viermonatliche Praktikantin im Kulturbüro von Arnsberg, miat der Ausstellung „INFORMATION“ der Sammlung Carl-Jürgen Schroth konfrontiert. Ich bin keine Kunstspezialistin, aber eine begeisterte Kunstamateurin, die sicherlich an mehreren Kunstformen gewöhnt ist.


Was mich hier als erstes positiv überrascht, ist der Ort der Ausstellung: Ein Kloster hatte ich noch nie besichtigt. Noch etwas fesselt mich - und zwar dieses schöne und unerwartete Paradox: Eine konkrete, postminimalistische, also moderne Kunstausstellung infiziert diesen historischen, imposanten Ort. Ich finde sofort die Verbindung interessant: Das Kloster, Stätte des kulturellen Gedächtnisses, der religiösen Andacht, wird heute durch diese Ausstellung erneuert, um Kunst zu präsentieren – gar zu preisen?

markusleitsch_mirror_web.jpgModerne Kunst, die sich mit dem Hier und Jetzt auseinandersetzt– wie der Künstler Markus Leitsch, dessen Werk „Mirror“ (2011), eine Spiegelarbeit aus gefaltetem Metall, sich mit der Frage der Illusion und der Wirklichkeit beschäftigt. Durch die Zwei- und Dreidimensionalität wird das Gesamtbild zerstückelt, und daher die Realität verzerrt. Eine Realität, die die Kunst schöner macht: Gefaltete DINA 4 Blätter, eine minimalistische Papierskulptur, deren Materialgrundlage aus der banalen Welt des Büroalltags stammt – normales DINA 4 Papier eben.    

Somit wird hier die zeitliche Grenze und gedankliche Eingrenzen überwunden, um diese Aussage zu vermitteln: Kunst ist unendlich, grenzenlos und unvergänglich. Kunst ist beständiger als der Mensch. Das Kunstwerk ist das vom Menschen gelassene Zeichen, das über die Jahrzehnte geht und die Zeit überlebt.

Diesem Thema widmet sich hier auch diese Ausstellung: Einige Kunstwerke behandeln die Frage des Todes und der Trauer in unserer Gesellschaft, und die Frage der Vergänglichkeit – Schwarz ist die Gegenwart, Schwarz ist mein Spiegelbild, Schwarz wird die Todesanzeige in der Zeitung angekündigt. Da denke ich an das Werk von Julieta Aranda, zwei dunkle Spiegelbilder – „Between Timid und Timbuktu“ (2011), das uns sagt: Die Gegenwart hat  keine Konsistenz, weil es immer Zeitgrenzen gibt, und der Mensch muss immer andere Wege gehen. Und in diesem Kontext steht auch die Arbeit von Mike Meiré, „Suicide“ (2010). Eine Tageszeitung zeigt geschwärzte Textblöcke, unter denen sich die Todesanzeigen und Nachrufe des Fußballspielers Robert Enke verbergen.

Mehrere Wirklichkeitserfahrungen werden also hier visualisiert, denn diese Ausstellung steht unter dem Titel INFORMATION.
Durch internationale, vielschichtige Perspektiven entdecke ich neugierig die 42 Arbeiten von den 24Künstlern, die zum Beispiel von Naturphänomenen und Informationsträgern handeln.
Sie bieten mir einen intellektuellen, sowie einen ästhetischen Einblick, und stellen Fragen über unsere Gesellschaft: Was versteckt sich hinter der Informationsfassade? Verstehe ich meine Umwelt? Wie ist meine Verortung in der Welt? Nicht nur das Thema, sondern auch die Stellung der Kunstwerke machen mich auf diese Fragen aufmerksam: Auf dem Boden liegend, auf den Wänden hängend.

Die Namen von einigen Kunstpositionen sind mir bekannt, und ich denke, dass eine solche Ausstellung in dem Musée d’Art Moderne (Avenue du Président Wilson) in Paris stattfinden könnte; zum Beispiel der französische Künstler Jean-François Dubreuil hat schon bei dem Fonds National d’Art Contemporain in Paris ausgestellt, und Gerhard Richter, der Frank Gerritz inspiriert hat („Two Abstract Paintings“, 2010), wird im Moment eine Ausstellung in dem Centre Pompidou in Paris gewidmet.

Denn die Kunst hat keine Barrieren, keine Zeitbeschränkungen in der Welt!

Arnsberg, Im Juni 2012